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Was wäre, wenn das Gestern auch heute noch zum Greifen nahe wäre? Was wäre, wenn nur der Erdboden zwischen Vergangenheit und Gegenwart läge? Kenny macht diesen Zeitsprung. In seinen Fotos zeigt er, welche untergegangenen Welten sich direkt unter unseren Füßen befinden. Die für jeden sichtbaren Industrieanlagen des Ruhrgebiets wurden nach dem großen Strukturwandel in der Region immer und immer wieder in Bildern festgehalten. Jeder Umbau, jeder Abriss, jeder Neubau fand sich irgendwann auf Fotos wieder. Aber was war eigentlich unter Tage? Unter der Erdoberfläche eröffneten sich Welten. Welten, die mit der „da oben“ nicht mehr viel gemein haben. |
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| Kenny macht sich auf die Reise unter die Erde. Während sich in der Gegenwart das Ruhrgebiet von der Schwerindustrie mit seinen Kohle- und Stahlwerken ab- und zu modernen Einkaufszentren, neuen Technologien und großzügigen Parks hinwendet, ist die Vergangenheit tief unter der Erde noch immer präsent. Unterirdische Luftschutzstollen und Krankenhäuser, Atom- und OP-Bunker, Produktionsanlagen (sog. U-Verlagerungen) und Luftschutzräume für Arbeiter, Angestellte sowie die Bevölkerung haben Geschichte geschrieben und verändern sich gleich einem lebenden Organismus immer weiter. Denn die Natur holt sich ihre Territorien zurück. Sie formt die Räume um: zu Naturhöhlen, Tropfsteingewölben, Urkathedralen. Kalkablagerungen überziehen Wände, Wurzel brechen Mauern auf. |
Wie ein Forscher bewegt sich Kenny in den Objekten. Fotografisch unentdeckt, alt, nass, kalt, dunkel breiten sich die oft schwer zu erreichenden Anlagen vor ihm aus. Riesige Hallen lassen Massenproduktionen erahnen. Manche Funde berühren persönlich: Gasmasken- filter, Schuhe, Knöpfe, Reste von Kleidungsstücken oder Halsketten zeugen von Menschen, die hier nicht freiwillig sein konnten, sondern arbeits- oder sicherheitsbedingt hier sein mussten. Beklemmung löst die Vorstellung aus, dass Anlagen und Bunker für die Menschen damals gleichzeitig Schutz und Enge, Versorgung und Angst bedeuteten, dass Tausende Menschen ausharrten in Räumen in denen heute fünf zu viel wirken. |
